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Voelkel Erleben (Teil 3)

04.10.2019 von in Voelkel

In den ersten beiden Teilen von Voelkel erleben ging es um Hanf, biologische und biodynamische Landwirtschaft, um die Familie Voelkel und den Betrieb heute. Es ging um eine enkeltaugliche Zukunft, die wir gemeinsam gestalten können.

Der erste Teil unseres Presse-Events war ein wunderbarer Tag mit vielen wunderbaren Gesprächen, vielen Informationen und viel Lachen. Am nächsten Tag sollte es genau so weiter gehen.

Magischer Höhbeck - Auf den Spuren von Margret und Karl

In etwas kleinerer Gruppe begannen wir den nächsten Tag mit einem gemeinsamen Frühstück, bevor wir uns bei bestem Wetter auf die Fahrräder schwangen.
Das Motto des Tages „Magischer Höhbeck - Auf den Spuren von Margret und Karl“ war gleichzeitig auch unser erstes Ziel: ganz oben auf dem Höhbeck befindet sich das Grundstück, auf dem Margret und Karl vor 100 Jahren im Wendland ankamen und später das Unternehmen Voelkel gründeten.

Die Originalhäuser sind hier noch weitestgehend erhalten: das erste "Schneckenhäuschen" (eine Art Tiny House der 20er Jahre), die ehemalige Werkstatt von Karl, das Obst- und Saftlager, das heute zum süßen Wohnhaus geworden ist und das zweite, etwas größere Haus, das Margret und Karl für ihre Familie errichteten.

Alles ist so wunderschön und wirkt noch heute so, als würden Margret und Karl gleich aus der Tür spazieren. Die heutigen Bewohner Ingegerd und Manfred Saal haben sich mit der authentischen Sanierung sehr viel Mühe gegeben und halten das Erbe der Voelkels auf diese Weise wunderschön in Ehren – kein Wunder, sie haben ein Gespür dafür, denn sie ist Architektin, er Landschaftsgestalter.

Einige der alten Obstbäume im Garten sind noch von Margret und Karl gepflanzt worden. Stefan fühlte sich hier sichtlich wohl und erzählte uns viele Geschichten aus seiner Jugend. Er sagte, er habe noch immer diesen dumpfen Klang im Ohr, wenn ihm mal wieder einer der Glasballons beim Tragen aus der Hand gerutscht war, das Glas zersprang und sich 25 Liter Schlehensaft über den Boden ergossen.

Was Gebäude und Garten dort oben auf dem Höhbeck von außen versprachen, konnten wir auch innen genauso vorfinden. Im zauberhaft eingerichteten Wohnhaus stehen der alte Herd und der runde Tisch der Voelkel-Vorfahren, an denen früher in langen Nächten gearbeitet und die Etiketten auf die ersten Flaschen geklebt wurden.

Der Höhbeck

76 stattliche Meter ist der Höhbeck übrigens hoch. Da war der ein oder andere Teilnehmer des Presse-Events froh, dass wir uns E-Bikes für diese Tour geliehen hatten.
Auch wenn es Margret und Karl in ihren Anfängen sehr, sehr schwer hatten, wurden sie mit einer Natur belohnt, die in Artenvielfalt noch heute seinesgleichen sucht. Rund 760 Pflanzenarten, unzählige Insekten, Vögel und Kleinsäuger leben hier – und zum Teil Arten, von denen Wissenschaftler vermutet hatten, dass sie ausgestorben seien.
Vietzer Schanze

Bei herrlichem Wetter ging es nun für uns kulturgeschichtlich weiter nach Vietze, einem kleinen Kapitänsdörfchen an der Elbe. Hier, wo einst die Elbschiffer-Kapitäne lebten, befindet sich die Vietzer Schanze, auch Höhbeck-Kastell genannt. Ausgrabungen zufolge könnte das Kastell im frühen 9. Jahrhundert von Karl dem Großen errichtet worden sein – vermutlich im Zusammenhang mit seinem Feldzug gegen die Linonen und Smeldinger, slawische Stämme, die im heutigen Brandenburg und Mecklenburg siedelten.

Der Mühlenbach

Neben allem Artenreichtum und dem Anschein von unberührter Natur bietet der Höhbeck leider auch ein mahnendes Beispiel für den Klimaschutz. Neben mehreren kleineren Quellen fließt auf etwa einem halben Kilometer der Thalmühlbach bis zur Elbe. Dabei rauscht er rund 60 Höhenmeter herunter – zumindest tat er es früher einmal. Er war so kraftvoll, dass er eine Mühle antreiben konnte. Von dieser Stärke des Mühlenbachs ist heute leider nicht mehr viel über.

Zu sehen sind neben dem Bach noch die Ruinen der um 1869 gebauten Mühle und des später dazugekommenen Gasthauses. Mühle und Gasthaus waren früher weit über die Landesgrenzen hinweg als Ausflugsziel bekannt. Selbst Karl May war 1898 einmal hier zu Gast und bewunderte den reißenden Bach, der nun renaturiert werden soll und so hoffentlich schon bald zu seiner ursprünglichen Stärke finden wird.
Der Keller des Gasthauses ist übrigens seit einigen Jahren zum Fledermausquartier geworden. Zehn verschiedene Arten leben hier. Es ist so schön zu sehen, wie sich die Natur ihre Räume sucht.

Der Streuobstwiesenverein

Am Abschluss der Tour stand dann ein Picknick in der wunderschönen Streuobstwiese von Helga Griese an. Sie ist eine Nachfahrin von Emmi Ziegler, die im Zuge der Wandervogelbewegung zu den Siedlern gehörte, mit denen Margret und Karl auf den Höhbeck gezogen waren. Zieglers Haus stand nahe dem der Voelkels in Brünkendorf. Dort baute es Emmi Ziegler 1950 aber ab, um es als Kaffeegarten auf der Schwedenschanze wiederaufzubauen, ein noch heute sehr beliebtes und vor allem wunderschönes Ausflugsziel.

Im Gästebuch wird dieser Ort vermehrt als paradiesisch beschrieben. Und auch Margret und Karl – damals noch nicht verheiratet und im Wendland ansässig – hinterließen Emmi Ziegler 1918 ein paar Zeilen: "Ihr habt das, was wir ersehnen, ein Heim und eine eigene Scholle. Wenn wir uns wiedersehen, sind auch wir ´Siedler´. Dann wird uns noch so manch schöne Stunde zusammenführen. Karl Voelkel, Margret Künneke."

Inmitten der Apfelbäume erzählte uns Stefan dann noch einmal ein wenig über den von ihm initiierten Bio-Streuobstwiesenverein Elbtal e.V. zur Förderung der regionalen Streuobstwiesen. Der Verein umfasst heute rund 70 aktive Mitglieder, die in diesen Wochen ihre Äpfel wieder bei uns in Pevestorf abliefern, um sie aufgrund der alten Sortenvielfalt zu besonders schmackhaftem Saft pressen zu lassen.

Magisches Wendland

Nach dem Picknick wurde es langsam Zeit, sich zu verabschieden. Alle Gäste waren sich einig: dies waren wundervolle Tage und ein rundum gelungenes Event.
Viel Neues hatten sie erfahren, vom Hanfanbau, der biodynamischen Landwirtschaft, über gesunde Lebensmittel aus gesunden Strukturen und über das Wendland, in dem es kulturgeschichtlich und in seiner einzigartigen Natur noch viel zu entdecken gibt.
Und eine Art Artenvielfalt gibt es hier nicht nur in der Natur zu entdecken. Aus der Kultur der Slawen heraus leben im Wendland besonders viele, besonders einzigartige Menschen. Schamane und selbsternannte Hexe leben noch heute neben Klempner und Lehrer. Es ist ein fröhliches Miteinander des „Leben und Leben-lassen“.

Der durch die Slawen weitverbreitete Volksglaube hält zum Teil sogar bis heute an. Noch spät im 20. Jahrhundert erzählten sich die Menschen im Wendland vom Düwelsüüger (plattdeutsch: Teufelsauger), einer Art Vampir, und den vielen Zwergen, die hier gelebt haben sollten. Und mit den Zwergen war definitiv nicht zu spaßen. Wer die Natur missachtete, sollte ihren Zorn erfahren.

Unsere Gäste lachten bei diesen Anekdoten aus dem Wendland. Doch ob Düwelsüüger, Zwerge oder Elfen – über eins waren wir uns alle einig: Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als es die Wissenschaft aus heutiger Sicht erklären kann. Und nur weil es dem ein oder anderen schwerfällt, die Demeter-Landwirtschaft in ihrem Wirken im Einklang mit dem Kosmos wirklich verstehen zu können, heißt das nicht, dass sie nicht „funktioniert“. Denn das widerlegt der Erfolg der seit Jahrzehnten Demeter betriebenen Höfe.

Es bedeutet nur, dass wir uns öffnen müssen, um uns weiterbilden zu können.

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