deutschenglishfrançais
zur Übersicht

BioZisch Hanf: ohne THC, aber mit jeder Menge guter Laune

05.07.2019 von Boris in Produkte

„Drehpause!“ Karim, der Kameramann von Grell grinst. „Nix da“, ruft Jannes, „das kommt nicht in die Tüte!“ Was sich nach einer Abstimmung im Kamerateam anhört, kriegt einen ganz anderen Klang beim Anblick der Szenerie: Karim und Jannes stehen inmitten eines weitreichenden Hanffeldes, umgeben von Wiesen und Wäldern im Herzen der Altmark. Sie warten auf Bauer Marius, der sie und uns zu seiner diesjährigen Hanfernte eingeladen hat.


„Wird dir eigentlich viel geklaut?“, frage ich Marius. Er lacht: „Das werde ich immer gefragt. Eigentlich haben wir da keine Probleme. Nur unsere Esel, die müssen wir fernhalten, die lieben nämlich den Hanf.“

Marius Wöllner ist unser Lieferant für Nutzhanf. Seit 2016 leitet er den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Familie. Die Landwirtschaft hat in der Familie Wöllner eine lange Tradition. Schon 1735 bestellten Marius‘ Vorfahren ihre Äcker hier rund um ihren Landhof im kleinen Ort Lindenberg.
Bereits 1993 stellte Marius‘ Vater auf Bio-Landwirtschaft um und gehörte damit zu den ersten Pionieren Ostdeutschlands.

„Warum Hanf?“, frage ich. Marius überlegt: „Hanf ist eine traditionelle Nutzpflanze – die man je nach Sorte in den unterschiedlichen Bereichen nachhaltig verarbeiten kann.“ Die robusten und schädlingsresistenten Fasern aus den Stängeln sind ein nachwachsender Rohstoff für die Textilindustrie und Bauwirtschaft. Aus den Samen wird Speiseöl hergestellt und aus den destillierten Blättern und Blüten ätherisches Öl.
„Wir verarbeiten unseren Hanf zu Tee und Schokolade. Und ein großer Teil der Blätter wandert natürlich in die BioZisch Hanf von Voelkel.“, erklärt Marius.

„Und rauchen kann man den Hanf nicht?“ Ich muss diese Frage einfach stellen. Marius grinst: „Das kannst du natürlich schon, aber es wird dir keine „Freude“ machen.“

In Nutzhanf ist im Gegensatz zum psychoaktiven Cannabissorten kein THC enthalten. Wie der Name schon sagt, bietet er weniger Genuss als echten Nutzen. Bereits in der Antike wurde Hanf als Grundnahrungsmittel sowie zur Herstellung von Textilien und Werkstoffen verwendet. Schon 2800 v.Chr. wurden in China Seile aus Hanf gefertigt. Damit zählt Hanf zu den ältesten Nutzpflanzen der Welt.
Auch Papier wurde bereits vor Christus aus Hanf hergestellt – ebenfalls in China. Und auch die erste Bibel druckte Gutenberg 1455 noch auf Hanfpapier.

Gerade im Textilbereich galt Hanf bis weit in die Neuzeit als Schlüsselmaterial, bis er mehr und mehr durch billige Baumwollimporte verdrängt wurde. Und auch für die Papierproduktion wurde der Hanf vollständig vom kostengünstigeren Rohstoff Holz abgelöst.

Erst in den letzten Jahrzehnten erfährt die Traditionspflanze nun ein vorsichtiges Come-back – im Textil- und vor allem auch im Nahrungsmittelbereich.

„Hanf ist zwar relativ robust, aber er hat so seine Tücken“, erklärt uns Marius. Hanf wächst sehr schnell und bis zu 5 m hoch. Er ist sehr faserig, so dass sich schnell etwas in den Maschinen verfängt. Dazu ist die Altmark ein sandiger Standort mit vergleichbar wenigen Bodenpunkten. Das macht es dem Landwirt schwer. „Letztes Jahr hatten wir zum Teil 70 bis 100 Prozent Ernteausfälle“, bedauert Marius. „Aber jetzt steht der Hanf gut, wir können mit der Ernte loslegen.“
In den frühen Morgenstunden erntet es sich am besten. Denn da sind die Hanfblätter, die wir von der Familie Wöllner beziehen, am saftigsten. Rund 50 Prozent der Hanfpflanze ist Flüssigkeit. Die wollen wir für den guten Geschmack in der BioZisch gern erhalten. Und während in dem kleinen Dorf in der Altmark so langsam das Leben losgeht an diesem Tag, arbeitet sich auf dem Feld von Familie Wöllner Stück für Stück der Mählader durch die Reihen. „Hast du Sorge, dass sich der Hanf verwickelt und die Maschine kaputt macht?“ – Marius schüttelt den Kopf: „Das ist für uns Alltag. In der Landwirtschaft tauchen immer Probleme auf – das Wetter zu nass oder zu trocken, die Maschinen kaputt oder „Beikraut“-, also Unkrautbefall. Aber bis jetzt haben wir sie alle gelöst.“
Marius erzählt uns von den Anfängen seines Vaters als Bio-Landwirt. „In der ökologischen Landwirtschaft hast du zwei Probleme: Erstens die Stickstoffversorgung und zweitens die „Beikrautregulierung“. Da muss man sich halt was einfallen lassen.“ Vater Wöllner zum Beispiel entwickelte kurzer Hand eine spezielle Hacke für den Traktor, mit der er das „Beikraut“ besser in den Griff bekam. „Das kommt uns nun beim Hanf zugute.“

Wieviel Sorten Hanf gibt es eigentlich?

Nutzhanf gibt es in weit über 30 Sorten. Manche sind vor allem zur Nutzung der Fasern geeignet, andere wiederum für Öl. Und die milde Sorte, wie sie auf dem Landhof Wöllner angebaut ist? Die ist eindeutig gut für eine BioZisch geeignet. Da ist sich das Ernte- und Kamerateam einig und stößt mit ihr an – während die frisch geernteten Blätter bereits auf dem Weg sind nach Pevestorf, um gepresst zu werden.

Diesen Artikel kommentieren

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare verfügbar.